AWS für KMU: Wann sich die Amazon-Cloud lohnt – und wann nicht
AWS steht für Amazon Web Services und ist die Cloud-Sparte von Amazon. Statt eigene Server zu kaufen, mieten Unternehmen dort Rechenleistung, Speicherplatz und Datenbanken – und zahlen nach Verbrauch. Viele grosse Online-Dienste laufen darauf. Die Frage für ein KMU lautet aber: Braucht meine Website oder mein Shop das überhaupt?
Was AWS eigentlich ist
AWS ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Baukasten aus mehreren hundert Diensten. Für Websites relevant sind vor allem eine Handvoll davon:
- EC2 – virtuelle Server, die man selbst konfiguriert und wartet.
- S3 – Speicher für Dateien, Bilder, Backups.
- RDS – verwaltete Datenbanken, etwa für WordPress oder einen Shop.
- CloudFront – ein Content Delivery Network, das Inhalte weltweit schneller ausliefert.
- Route 53 – Verwaltung von Domains und DNS.
Der Unterschied zu klassischem Webhosting: Bei AWS bekommt man Bausteine, kein fertiges Produkt. Das ist die Stärke – und gleichzeitig der Haken.
Wann AWS sinnvoll ist
AWS spielt seine Vorteile aus, wenn Anforderungen über eine normale Website hinausgehen:
- Stark schwankende Last. Ein Ticketshop, der zweimal im Jahr Tausende gleichzeitige Zugriffe hat, kann Kapazität automatisch hoch- und wieder runterfahren.
- Eigene Software. Wenn Sie eine individuell entwickelte Applikation betreiben, die spezielle Dienste braucht.
- Grosse Datenmengen. Videoarchive, Messdaten, Backups im Terabyte-Bereich.
- Internationale Nutzer. Standorte auf mehreren Kontinenten lassen sich ohne eigene Infrastruktur abdecken.
Wann es überdimensioniert ist
Eine Firmenwebsite mit zwanzig Seiten, ein Blog oder ein kleiner Shop mit überschaubarem Traffic laufen auf einem soliden Schweizer Hosting genauso gut – oft schneller eingerichtet und einfacher zu betreuen. Drei Punkte sprechen bei kleinen Projekten gegen AWS:
Komplexität. Berechtigungen, Netzwerkeinstellungen, Sicherheitsgruppen: Das ist Arbeit für jemanden, der sich damit auskennt. Fehler bei der Konfiguration sind die häufigste Ursache für offene Datenspeicher im Netz.
Kostentransparenz. Abgerechnet wird nach Verbrauch, inklusive Datentransfer. Die Rechnung ist am Monatsende nicht immer die, die man erwartet hat. Ein Hosting mit Fixpreis ist planbarer.
Wartung. Ein virtueller Server bei AWS ist ein Server, den jemand aktuell halten muss. Updates, Backups, Monitoring – das übernimmt Amazon nicht für Sie.
Datenschutz und Standort
AWS betreibt Rechenzentren in Zürich. Kundendaten können also in der Schweiz bleiben, wenn die Region bei der Einrichtung korrekt gewählt wird – das passiert nicht automatisch. Zu beachten bleibt: Amazon ist ein US-Unternehmen und untersteht damit auch amerikanischem Recht. Für besonders schützenswerte Personendaten lohnt sich die Abklärung mit einem Juristen oder gleich ein Schweizer Anbieter ohne US-Mutterkonzern.
Die praktische Empfehlung
Wählen Sie die Infrastruktur nach dem tatsächlichen Bedarf, nicht nach dem Bekanntheitsgrad des Anbieters. Für die meisten KMU-Websites reicht ein gutes Hosting bei einem Schweizer Provider – mit klarem Preis, Support auf Deutsch und Backups inklusive.
Wenn Ihr Projekt wächst oder Sie eine eigene Applikation planen, ist AWS eine ernsthafte Option. Dann aber mit jemandem, der die Kosten im Blick behält und die Konfiguration sauber aufsetzt. Ein Wechsel später ist machbar – Sie müssen nicht von Anfang an die grösste Lösung buchen.