Social Media für KMU: Weniger Kanäle, dafür richtig
Die häufigste Frage, die wir von KMU-Inhabern zum Thema Social Media hören, lautet: «Brauchen wir das überhaupt?» Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an – und zwar weniger auf die Branche als auf die Frage, ob Sie den Aufwand über Monate durchhalten können.
Ein toter Kanal schadet mehr als gar keiner
Ein Facebook-Profil, dessen letzter Beitrag von 2021 stammt, wirkt auf Besucher wie ein geschlossener Laden mit Licht im Schaufenster. Wer Ihr Unternehmen prüft, zieht daraus Schlüsse – meistens die falschen.
Deshalb: Lieber ein Kanal, den Sie zuverlässig bespielen, als vier verwaiste Profile. Und wenn Sie sich von einem Kanal verabschieden, löschen Sie ihn oder hinterlegen Sie zumindest einen Hinweis mit Verweis auf Ihre Website.
Welche Plattform passt zu Ihnen?
Die Auswahl hängt davon ab, wo Ihre Kunden sind und was Sie zeigen können:
- Instagram funktioniert, wenn Ihre Arbeit visuell ist: Handwerk, Gastronomie, Coiffure, Innenausbau, Fotografie.
- LinkedIn ist sinnvoll, wenn Sie andere Unternehmen als Kunden haben – Beratung, IT, Treuhand, technische Dienstleistungen.
- Facebook bleibt in vielen Schweizer Regionen relevant für lokale Angebote, Vereine und ein älteres Publikum.
- TikTok und YouTube lohnen sich nur, wenn Sie wirklich Freude am Videoformat haben. Halbherzig produziert bringt es nichts.
Nicht vergessen: Das Google-Unternehmensprofil ist streng genommen kein Social-Media-Kanal, bringt lokalen Betrieben aber oft mehr Anfragen als jede Plattform. Wenn Sie nur eines pflegen können, pflegen Sie dieses.
Ein realistischer Rhythmus
Statt sich «täglich posten» vorzunehmen und nach drei Wochen aufzuhören, setzen Sie einen Takt, den Sie auch im Stress halten: zum Beispiel ein Beitrag pro Woche oder zwei pro Monat. Blocken Sie dafür einen festen Termin im Kalender.
Inhalte finden Sie im Arbeitsalltag, nicht am Schreibtisch beim Brainstorming: ein abgeschlossenes Projekt, ein neues Gerät, eine häufig gestellte Kundenfrage, ein neuer Mitarbeiter, Ferienöffnungszeiten. Machen Sie sich die Gewohnheit, unterwegs Fotos zu schiessen – auch wenn Sie noch nicht wissen, wofür.
Social Media ersetzt keine Website
Ein Punkt, der oft untergeht: Auf Instagram oder Facebook sind Sie Mieter, nicht Eigentümer. Die Plattform entscheidet, wer Ihre Beiträge sieht, kann Regeln ändern oder ein Konto sperren. Ihre Website gehört Ihnen.
Sinnvoll ist deshalb ein klarer Ablauf: Social Media erzeugt Aufmerksamkeit, die Website liefert die Details und nimmt die Anfrage entgegen. Dazu gehört:
- Im Profil den Link zur Website hinterlegen – idealerweise direkt zur passenden Seite, nicht nur zur Startseite.
- Auf der Website die Kanäle verlinken, die Sie tatsächlich pflegen.
- Auf der Zielseite eine offensichtliche Möglichkeit zur Kontaktaufnahme bieten: Telefonnummer, kurzes Formular, Öffnungszeiten.
Wie Sie merken, ob es etwas bringt
Likes sagen wenig aus. Aussagekräftiger sind die Fragen: Kommen über die Profile Besucher auf Ihre Website? Erwähnen neue Kunden, dass sie Sie dort gesehen haben? Fragen Sie einfach nach – das ist die zuverlässigste Statistik, die Sie bekommen.
Wenn nach einem halben Jahr nichts davon zutrifft, ist das kein Scheitern. Dann ist der Kanal für Ihr Geschäft schlicht nicht der richtige – und die Zeit ist anderswo besser investiert.